Alles unter Kontrolle

"Wir nehmen sämtliche Zahlen rund um die Planung der Ausbaustrecke unter die Lupe oder schauen, ob wir im Terminplan sind", beschreibt Dirk grob die Rolle seines Teams innerhalb der ABS 38. Um ein solches Großprojekt erfolgreich zu realisieren, ist das Technische Projektmanagement, kurz TPM, von zentraler Bedeutung. „Gemeinsam mit meinem Team versuche ich beispielsweise die Risiken, die ein so großes Infrastrukturprojekt mit sich bringt, so gut wie möglich im Griff zu haben“, erklärt Dirk. „Außerdem erstellen wir Kalkulationen für die einzelnen Abschnitte der ABS 38 und überprüfen diese regelmäßig, damit wir die Kosten auch bei Planungsänderungen genau im Blick haben.“ Kurz gesagt werden im Technischen Projektmanagement Aufgaben zusammengefasst, die über das gesamte Großprojekt einheitlich gestaltet und zentral gesteuert werden.

Dirk und Thomas diskutieren über ein Planungsmodell. (c) DB Netz AG

„Den Überblick zu behalten, das ist für mich die größte Herausforderung“, sagt Dirk mit Blick auf ein Poster, dass die ganzen Aufgabenbereiche des Technischen Projektmanagements (TPM) darstellt: Kostenkalkulation und -steuerung, Terminplanung, Risikomanagement, Berichtswesen, Building Information Modeling (BIM), Dokumentation, Einwendungsmanagement - All diese Themen sind Dirk als Leiter des TPMs zugeordnet. Dass es dabei manchmal schwierig sein kann, den Überblick zu behalten, glaubt man gerne. „Wir entwickeln den Terminplan und schauen bei Planungsänderungen, wie sich das auf andere Bereiche der ABS 38 auswirkt. Zu meinem Zuständigkeitsbereich gehören außerdem Berichtswesen und Dokumentation – beide Bereiche sind in einem großen Infrastrukturprojekt wie der ABS 38 extrem wichtig. Regelmäßig muss Klaus-Peter Zellmer als Gesamtprojektleiter nicht nur innerhalb der DB Netz AG, sondern auch bei unserem Auftraggeber, dem Bund, den aktuellen Planungsstand mit der dazugehörigen Kostenplanung genau aufzeigen“, führt Dirk aus.

Die einzelnen Bereiche des Technischen Projektmanagements (c) DB Netz AG

Es war reiner Zufall

Der studierte Maschinenbauer arbeitet seit 2011 bei der Deutschen Bahn. Beworben hatte er sich damals ursprünglich auf eine Projektleiterstelle. „Im Vorstellungsgespräch schlug mir mein künftiger Chef allerdings vor, übergreifend zu arbeiten, weil ich zu dem Zeitpunkt noch kein Bahn-Wissen hatte. So kam ich dann eher zufällig zum Technischen Projektmanagement“, erzählt Dirk. Bevor er Anfang 2018 als Leiter für das TPM zur ABS 38 kam, war er fünf Jahre im Großprojekt "2. Stammstrecke" in der Kostensteuerung und im Risikomanagement tätig. Letzteres macht er auch heute noch selbst. „Aber ein Großteil meiner Arbeit sind mittlerweile Steuerungsaufgaben. Das ist immer ein Spagat zwischen selber machen und delegieren.“

Ein ausgeglichenes Verhältnis

Unterstützt wird Dirk unter anderem von Thomas, der momentan seine Masterarbeit im Bereich BIM (Verknüpfung von CAD-Modellen mit der Kalkulation und dem Terminplan) schreibt. Der angehende Bauingenieur ist seit Februar 2019 bei der ABS 38. Als Werkstudent unterstütze er anfangs vor allem die Kostensteuerung. „Das heißt, ich habe Daten in das Projektsteuerungssystem iTWO eingepflegt, geschaut ob Kontierungen übereinstimmen oder die anderen im Team in der Planungskostenkalkulation unterstützt“, erklärt Thomas. iTWO ist ein System, dass die DB bei der Planung und Umsetzung von großen Infrastrukturprojekten unterstützt. Beispielsweise werden alle bereits geschlossenen Verträge in dem System hinterlegt, sodass alle Vertragsverantwortlichen monatlich zu jedem Vertrag auswerten können, wie viele der vereinbarten Leistungen schon erbracht wurden und welcher Anteil der Gesamtkosten bereits beglichen wurde. „Wir schauen, ob das Verhältnis zwischen Kosten und Leistung ausgeglichen ist oder bereits mehr Leistung erbracht wurde, als Zahlungen geflossen sind“, so der gelernte Maschinenbauer. „Ist das Gegenteil der Fall, dann haken wir bei der Firma mal nach.“

Die Zukunft des TPMs

Doch nicht nur bereits geschlossene Verträge fallen in den Bereich des TPMs. Um die Vereinbarung von Verträgen in Zukunft effizienter zu gestalten, arbeitet Thomas im Rahmen seiner Masterarbeit daran, wie die Prozesse von Planung und Vertragsabschluss bis hin zum eigentlichen Bau effizienter gestaltet werden und Informationen zentral gespeichert werden können. Dazu sollen auch die Komponenten Kosten und Zeit in das Planungsmodell integriert werden. Beispielsweise wäre dann in einem Bauteil „Brückenpfeiler“ die Information hinterlegt, wie viel Beton für den Bau des Teils benötigt wird. Sollte sich in der Planung an dieser Menge etwas ändern, würde davon automatisch auch die Baufirma in Kenntnis gesetzt.

Auch in der Terminplanung kann das Modell von Thomas die Arbeit in Zukunft einfacher machen: durch die 3D-Simulation des Bauablaufs können mögliche Planungsfehler schon frühzeitig entdeckt werden. „Wenn ein Teil unbedingt vor einem anderen benötigt wird, sieht man das auf dem Papier vielleicht nicht gleich. Mit der Simulation sehe ich aber sofort, dass da etwas nicht funktionieren kann“, so der angehende Bauingenieur. Das Programm ist außerdem für die Baustellenplanung hilfreich: Welche Straße ist wann gesperrt? Welche Zufahrten sind nötig? Zu welchem Zeitpunkt im Bauablauf wird ein Containerlager benötigt? Wo auf der Baustelle kann es gut positioniert werden? Auf all diese Fragen können dank des Programms künftig verhältnismäßig schnell und unkompliziert Antworten gegeben werden. Das Forschungsgebiet von Thomas bietet in jedem Fall großes Potenzial, um Abläufe effizienter und transparenter zu gestalten. Dirk und sein Team werden mit den neuen Technologien weiterhin dafür sorgen, dass bei der ABS 38 alles unter Kontrolle ist.

Zurück