Bodengutachten: Wir gehen der Sache auf den Grund

Im Team der ABS 38 kümmern sich zwei ausgebildete Geologen um das Thema Baugrund entlang der 145 kilometerlangen Strecke. Beim Bauen gilt der Boden als größter Risikofaktor. Genaue Informationen über den Aufbau und die Beschaffenheit des Baugrunds sind daher beim Bauen sehr wichtig.

Fabian und Georg haben beide in München Geologie studiert und kennen sich mit den bayerischen Böden bestens aus. Sie haben schon vor der ABS 38 bei vielen Projekten in und um München mitgewirkt. Seit 2,5 Jahren ist Georg bei der DB Netz AG und hat sich federführend um die Erstellung der Baugrundgutachten im Abschnitt Markt Schwaben bis Ampfing gekümmert. Fabian ist seit Mitte 2018 dabei und arbeitet aktuell an den Gutachten für den Abschnitt Tüßling–Freilassing.

Georg, warum ist die Untersuchung des Bodens für unser Projekt so wichtig?

Georg: Wir müssen sicherstellen, dass alles, was wir bauen, auch in mehr als 100 Jahren noch stabil steht. Daher brauchen wir für jeden einzelnen Oberleitungsmast, jede Lärmschutzwand oder Brücke genaue Informationen über die Beschaffenheit des Bodens, auf dem gebaut werden soll. Nehmen wir als Beispiel einen der vielen Oberleitungsmasten, die zwischen Tüßling und Freilassing errichtet werden sollen: Überall dort, wo ein Mast geplant ist, müssen wir den Boden genauestens untersuchen. Durch die Kenntnis über den Boden weiß die Baufirma, die später den Mast errichtet, genau Bescheid, wie sie den Oberleitungsmast am besten gründen kann.

Welche Auswirkungen hat der Baugrund auf den Bau?

Georg: Wenn beispielsweise der Baugrund in den oberen Erdschichten große Anteile an Kiesen und Sanden enthält und eine ausreichende Tragfähigkeit aufweist, so sind Flachgründungen möglich. Das heißt: Das Fundament muss nicht so tief in den Boden reichen, damit das Bauwerk trotzdem stabil steht. Ist der Boden dagegen sehr durchlässig, dann muss man die unteren Bodenschichten nutzen, um das Bauwerk stabil zu gründen. Das ist dann aufwendiger.

Aber Fabian, warum dauert es denn jetzt etwas länger, um den Boden für die 61 Kilometer zwischen Tüßling und Freilassing zu erkunden?

Fabian: Wir haben ja erst im November 2018 den Auftrag erhalten, die Strecke komplett zweigleisig auszubauen. Aktuell schauen wir die alten Bodengutachten für die Strecke durch, die bereits in den 90er Jahren erstellt wurden als die ABS 38 schon einmal ausgebaut werden sollten. Aus diesen Gutachten erhalten wir einen guten Überblick darüber, welchen Boden wir in welchen Verhältnissen entlang der Strecke vorfinden. Der Boden verändert sich nämlich nicht so schnell, daher kann man die alten Gutachten im ersten Schritt schon mal verwenden.

Also gibt es schon Bodengutachten für den Streckenabschnitt?

Fabian: Ganz so schnell geht es nicht. Wir schauen jetzt genau, welche Information wir über den Baugrund schon haben und wo uns noch Auskünfte fehlen. Einige Brücken werden jetzt breiter, daher müssen wir dort noch einmal den Boden erkunden. Zudem gibt es neue Richtlinien, an die wir uns bei der Erkundung halten müssen. Ich stelle zurzeit alles das zusammen, was uns noch fehlt. Mit diesem groben Konzept für die Bodenuntersuchungen gehe ich dann zu einem Ingenieurbüro für Bodengutachten. Die nehmen meine Notizen, geologische Karten und das Wissen von benachbarten Baumaßnahmen und erstellen für uns ein ganz detailliertes Konzept über die Bohrungen, die noch durchgeführt werden müssen.

Warum muss das so detailliert sein?

Fabian: Je detaillierter dieses Bohrkonzept ist, umso mehr Informationen über den Boden erhalten wir. Je mehr Informationen wir über den Boden haben, umso besser wissen wir, was und wie wir bauen können. Wir minimieren damit Überraschungen, die uns beim Bauen erwarten können. Das spart enorm Zeit und Geld.

Georg: Genau, wenn man während des Bauens umplanen muss, weil der Baugrund anders ist als erwartet, beginnt man quasi noch mal von vorne mit der Planung. Das wollten wir jetzt ausschließen. Daher sind die Konzepte für den Baugrund jetzt so detailliert und brauchen ein paar Monate Zeit.

Und was macht man dann mit dem Konzept?

Fabian: Wenn wir das Konzept haben, beauftragen wir eine Bohrfirma, die innerhalb und außerhalb des Gleisbereichs zwischen Tüßling und Freilassing Bohrungen und Sondierungen durchführt und Bodenproben entnimmt. Ein Bohrmeister notiert vor Ort schon erste Erkenntnisse über den Boden: welche Schichten stehen an, wie ist deren Beschaffenheit und wie ist die gegenwärtige Grundwassersituation.

Georg: Auf der rund 45 Kilometer langen Strecke zwischen Markt Schwaben bis Ampfing haben wir bereits mehr als 1.200 Bohrungen durchgeführt. Auf dem 61 kilometerlangen Abschnitt Richtung Salzburg werden wir sicher deutlich mehr Bohrungen durchführen.

Georg: Bürger entlang der Strecke können uns auch dabei unterstützen, die Bohrungen durchzuführen. Oft benötigen wir Betretungserlaubnisse für die Bohrungen. Wenn uns die Privatpersonen, denen der Grund gehört, diese ausspricht, können wir die Bohrungen zügig durchführen.

Nach den Bohrungen kann man dann die Bodengutachten erstellen?

Fabian: Fast. Die Bodenproben, die entnommen wurden, werden im Labor gezielt auf bodenphysikalische Eigenschaften untersucht, um charakteristische Kennwerte abzuleiten. Auch das ist wichtig, um zu erfahren, wie man zum Beispiel den Oberleitungsmast bauen kann. Die Ergebnisse dieser Laboruntersuchungen fließen dann maßgebend in die Bodengutachten mit ein.

Wenn uns unser beauftragter Bodengutachter die Gutachten überreicht hat, müssen wir diese natürlich noch einmal prüfen. Im Abschnitt Markt Schwaben bis Ampfing hatten wir 94 große und prallgefüllte A4-Ordner. Die Durchsicht davon kostet sehr viel Zeit.

Georg: Es ist ein sehr langwieriger und komplexer Prozess, aber je genauer wir jetzt arbeiten, umso weniger Probleme haben wir später beim Bauen.

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