Europa - der beste Platz auf der Welt zum Leben

Rund 400 Millionen Bürgerinnen und Bürger sind dieses Wochenende aufgerufen, ihre Stimme für ein neues Europaparlament abzugeben. Grund genug, dass auch wir bei der ABS 38 einmal einen Blick hinter die Kulissen unseres internationalen Teams werfen. Die Wahlen sind deshalb der perfekte Anlass, sich mit einigen unserer Kollegen, die aus dem europäischen Ausland stammen, über ihre Heimatländer, Deutschland und Europa zu unterhalten. Wir haben Olesia, Dzoni, Nadia und Laura gefragt: Was ist „typisch deutsch“ und was bedeutet Europa für Dich?

Europakarte (c)DB Netz AG

Die gelernte Elektrotechnikerin Olesia kam bereits während ihres Studiums nach Deutschland. Es gefiel ihr so gut, dass sie sich auf ein Master-Stipendium in Magdeburg bewarb. Olesia bekam den Platz und machte ihren Master in Elektrotechnik in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Dort wurde sie freundlich aufgenommen. Die Menschen seien sehr hilfsbereit, wenn auch etwas distanzierter als in ihrer Heimat, so Olesia. Nach dem Studium hat sie eine Zeit lang in einer Firma gearbeitet, die sich mit erneuerbaren Energiequellen befasst. Zum Team der ABS 38 kam sie eher zufällig. „Ich wollte etwas Neues ausprobieren und habe im Internet nach interessanten Stellen in ganz Deutschland gesucht.“ Bei der ABS 38 habe dann alles ganz schnell und reibungslos funktioniert. Innerhalb des Projekts befasst sich Olesia mit Oberleitungsanlagen, einem Thema, das für sie am Anfang komplett neu war. Aber: „Alle im Team sind hilfsbereit und unterstützen sich gegenseitig.“

„Typisch deutsch“, das bedeutet für sie, sich immer zu beschweren, obwohl die Lebensqualität sehr gut ist. „Alle regen sich auf, wenn die Bahn fünf Minuten zu spät kommt“, meint sie lachend. Positiv findet sie, dass die meisten Menschen sehr offen seien für Neues und auch gerne reisen, um andere Länder kennenzulernen. Grenzenloses Reisen, dafür steht die Europäische Union. Auch das Projekt der ABS 38 soll das Reisen und den Güterverkehr innerhalb Europas verbessern. „Ohne umzusteigen, und noch schneller von Paris nach Budapest fahren zu können, das ist das Ziel“, so Olesia. Aktuell arbeitet die EU an der Interoperabilität, der möglichst nahtlosen Zusammenarbeit der verschiedenen Bahnsysteme in Österreich, Ungarn und Deutschland. „Um mit dem Zug von der Ukraine nach Deutschland fahren zu können, mussten die Wagons früher hochgehoben und auf andere Achsen gesetzt werden“, erzählt Olesia.

Olesia (c) DB Netz AG

Dzoni kommt aus Kroatien. Vor sieben Jahren hat er in seiner Heimat angefangen, für die Deutsche Bahn zu arbeiten. Im Jahr 2014 ist Dzoni erstmals nach Deutschland gekommen – eigentlich sollte es nur ein Monat werden. Doch aus einem Monat wurde ein halbes Jahr in Berlin. Die deutsche Hauptstadt hat er in guter Erinnerung: Berlin sei international und multikulturell. Die Leute dort seien offen und jeder habe Englisch gesprochen, weshalb er keine Kommunikationsschwierigkeiten hatte. Nach Arbeitsaufenthalten in Saudi-Arabien und Kalifornien kam Dzoni vor etwa einem Jahr als Projektingenieur in das Großprojekt ABS 38. Von dem Projekt erfahren hat er über seinen Cousin, der ebenfalls Teil des Teams ABS 38 ist.

An Deutschland schätzt er vor allem Pünktlichkeit, Ordnung und Sparsamkeit. Auch die Qualität der in Deutschland gefertigten Produkte sei gut. "Wenn ein Werkzeug besonders gut funktionierte, hat mein Vater immer gesagt: Das wurde bestimmt in Deutschland hergestellt", erinnert sich Dzoni. Durch den Fachkräftemangel sei es einfach, in Deutschland einen neuen Job zu finden und besonders gut qualifizierte Arbeitnehmer haben gute Entwicklungsmöglichkeiten.

„Typisch deutsch“ sind für Dzoni Pragmatismus, Präzision und Zukunftsorientierung. Die Autobahn, gute Autos, die Bahn und Bier sind seiner Meinung nach typisch für Deutschland. Die Europäische Union sieht Dzoni positiv: Der Zusammenschluss vieler verschiedener Länder zu einer gemeinsamen Union habe für die am längsten andauernde Friedenszeit auf dem europäischen Kontinent in den vergangenen Jahrzehnten gesorgt. Während die einzelnen, europäischen Staaten auf globaler Ebene zu klein seien, um Einfluss zu haben, sei die Europäische Union ein globales Schwergewicht. „Der beste Ort auf der Welt zum Leben“, findet Dzoni.

Das sieht Nadia, geborene Portugiesin und gelernte Bauingenieurin, ähnlich. Sie schätzt an der Europäischen Gemeinschaft besonders die guten Sozial- und Gesundheitssysteme, die es in vielen anderen Regionen der Welt, auch hoch entwickelten Ländern, so nicht gibt. „Viele verschiedene Länder mit einer gemeinsamen Geschichte, die sich aber trotzdem ihre eigene Kultur bewahrt haben“, das ist für Nadia Europa. „Die Länder können gegenseitig voneinander lernen: die südlichen Länder die Pünktlichkeit und der Norden die Lebensfreunde.“

Sie ist 2016 von Portugal nach Deutschland gezogen. Geplant war das nicht – eigentlich hatte sie in den Niederlanden arbeiten wollen. Spontan kaufte sie sich dann aber von den Niederlanden aus ein Zugticket nach München. Die gute Lage am Arbeitsmarkt bewog Nadia dazu, in Deutschland zu bleiben. Sie begann Deutsch zu lernen und fand nach einiger Zeit Arbeit in einem Ingenieurbüro. Danach wechselte sie zur ABS 38 und unterstützt das Team seitdem als Projektingenieurin.

Das weit verbreitete Vorurteil, dass in Deutschland immer alles funktioniert, stimme so nicht findet sie. „Typisch deutsch“, das bedeutet für Nadia „alles drei Wochen im Voraus planen zu müssen“.

Dzoni und Nadia (c) DB Netz AG

Im Gegensatz zu den anderen drei Kollegen wurde Laura bereits in Deutschland geboren. Ihre Eltern kamen vor mehr als 40 Jahren aus Italien nach Deutschland. Laura ist zweisprachig aufgewachsen. Sie fährt nach wie vor regelmäßig in die Heimat ihrer Eltern, um dort ihre Familie zu besuchen. „Als ich klein war, wurden wir an der Grenze immer kontrolliert und die Pässe eingesammelt. Heute kann der Zug einfach durchfahren“, meint Laura. Europa, ist für sie eine Union. Viele Länder mit eigener Kultur und Politik, die einander dennoch wirtschaftlich, politisch und kulturell verbunden sind.

„Typisch deutsch“, das bedeutet für Laura, dass alles penibel geregelt werden muss. „Richtlinie über Richtlinie über Richtlinie…“, sagt sie. In Italien seien die Leute deutlich gelassener und ließen die Dinge mehr auf sich zukommen. Auch in ihrem Job bei der ABS 38 kommt sie tagtäglich mit der deutschen Bürokratie in Berührung: Laura arbeitet in der Restabwicklung und Dokumentation für das dritte Gleis zwischen Freilassing und Salzburg, das bereits fertiggestellt wurde. Was sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Italien? „Das Wetter!“, antwortet sie lachend. „In Italien ist es immer schön warm und sonnig und dann komme ich zurück nach Deutschland und es regnet.“ Außerdem sei die Infrastruktur in Deutschland besser. „Da merkt man einfach den Wohlstand. Hier kann investiert werden, in Italien nicht“, meint Laura.

Laura (c) DB Netz AG

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