Flora, Fauna, Fachexperten!

Damit die Realisierung der ABS 38 umweltfreundlich und mit möglichst wenig Eingriffen in die südostbayerische Natur und Tierwelt verläuft, kümmern sich zwei Experten im Team der ABS 38 um den umweltverträglichen Ausbau. Laura und Felix haben Umweltingenieurwesen und Raum- und Umweltplanung studiert. Sie sind seit Anfang 2019 bzw. Anfang 2018 Teil des Projektteams ABS 38. Zurzeit stehen sie in enger Abstimmung mit der höheren Naturschutzbehörde bezüglich der Umweltkartierung, die im laufenden Jahr im Projektabschnitt 2 und 4 durchgeführt wird. Ideal, um ihnen kurz über die Schulter zu gucken und ein paar Fragen zu stellen.

Fünf Fragen an Laura und Felix:

Woher wisst ihr, welche Tiere und Pflanzen entlang unserer Strecke heimisch sind?

Wir machen uns schon in einem sehr frühen Stadium der Planungen mit dem Planungsgebiet vertraut. Dazu verschaffen wir uns einen ersten Überblick mit Hilfe von offiziellen und online verfügbaren Natur-Viewern und Online-Datenbänken. Daraus können wir nämlich erkennen, wo sich entlang unserer Strecke Schutzgebiete, wie Biotope oder europarechtlich geschützte Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiete, befinden. Dadurch können wir uns über die vorkommenden geschützten Arten und die Schutzzwecke der einzelnen Flächen genauer informieren. Aus diesen und vielen weiteren Informationen erstellen wir sogenannte Leistungsbilder für den externen Umweltplaner. Das sind Aufgaben, die ganz genau definieren, welche Untersuchungen und Leistungen die Planer für das Projekt zu erbringen haben.

Dazu gehört zum Beispiel auch die Untersuchung der Pflanzen- und Tierwelt mitsamt ihren Lebensräumen. In der Fachsprache nennen wir das „Kartieren“. Das heißt, es werden entlang unserer Strecke über einen Zeitraum von einem Jahr alle relevanten Pflanzen- und Tierarten sowie deren Lebensräume betrachtet und erfasst. Anhand künstlicher Verstecke kann abgeschätzt werden, wie viele Tiere sich in einem bestimmten Bereich aufhalten. Dazu werden zum Beispiel Bretter als eine Art künstliches Versteck ausgelegt und anhand von Stichproben wird dann kontrolliert und gezählt, welche Tiere sich darunter versteckt haben.

Am Ende der Kartiersaison haben wir somit einen sehr genauen Überblick darüber, wer und was sich im Bereich unserer Strecke tummelt und können daraus entsprechende Maßnahmen zum Schutz von Fauna und Flora ableiten.

Und was sagen euch die Ergebnisse? Was macht ihr damit?

Anhand der Ergebnisse können wir erkennen, in welche Lebensräume die Baumaßnahmen und auch der zukünftige Betrieb eingreifen werden. Auswirkungen des Infrastrukturprojekts auf zum Beispiel Tiere, Pflanzen, die biologische Vielfalt, Wasser, Landschaft und den Menschen können wir damit abschätzen. Daraus wiederrum leiten die Planer Umweltmaßnahmen ab, zum Beispiel, welche Ausgleichsmaßnahmen bereits vor dem Bau umgesetzt werden und ob bestimmte Tiere umgesiedelt werden müssen.

Gibt es an unserer Strecke etwas, auf das ihr besonders achten müsst?

Ein besonderes Augenmerk müssen wir auf Biotope und die europäischen Schutzgebiete (Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiete) legen. Diese reichen abschnittsweise unmittelbar an die Trasse heran. Entlang der ABS 38 sind das zum Beispiel das „Isental mit Nebenbächen“ u.a. in den Gemeindegebieten Lengdorf, Esterndorf, Schwindegg und Obertaufkirchen sowie das Gebiet „Strogn mit Hammerbach und Köllinger Bächlein“ bei Walpertskirchen. In allen Bereichen versuchen wir Eingriffe zu vermeiden oder wenn nicht möglich, für gleichartigen oder gleichwertigen Ausgleich an einer anderen Stelle zu sorgen. In besonders wertvollen Bereichen, wie FFH, fällt bei einem Eingriff in die Natur der notwendige Ausgleich höher aus.

Was bedeutet „Ausgleich“ schaffen?

Manchmal ist es nicht möglich, geschützte Flächen und damit den Lebensraum von Pflanzen und Tieren an Ort und Stelle zu erhalten. Das heißt, die geplanten Eingriffe in Natur und Landschaft können nicht vermieden werden. Dann muss an anderer Stelle für entsprechenden Ausgleich oder Ersatz gesorgt werden. Bei der Fauna würde das zum Beispiel bedeuten, den betroffenen Tieren an einer anderen Stelle Ersatzhabitate anzubieten und die Tiere ggf. auch umzusiedeln. Dazu kann dann die DB Netz AG brach liegende Flächen ankaufen und wertet diese soweit auf, dass sie dem natürlichen Lebensraum der umzusiedelnden Tiere entsprechen und von diesen als neuer Lebensraum angenommen werden. So ist dies zum Beispiel auch im Projekt Altmühldorf–Tüßling geschehen: ein Acker wurde vom Projekt aufgekauft und anschließend renaturiert.

Was macht Ihr, wenn die Planungen beendet sind und der Ausbau an der Strecke beginnt?

Die Maßnahmen zum Ausgleich und Ersatz werden, genau wie unsere technische Planung, planfestgestellt, d.h. sie fließen als verbindlicher Bestandteil in unsere Genehmigung zum Ausbau der Strecke mit ein. Jetzt ist es an uns, die Umsetzung der ökologischen Maßnahmen zu begleiten und damit die Einhaltung der Festsetzung aus der Planfeststellung sicherzustellen.

Wenn das alles erledigt ist, dann wartet auch schon der nächste Projektabschnitt auf uns.

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